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Mario Lüder

PROFIFOTO ohne PROFI PROFIFOTO ohne PROFI
PROFIFOTO ist ein Hochglanzmagazin für Fotografen vom GFW-Verlag und kostet im Laden zur Zeit 7,80 Euro. Werbung, einseitigen Tests und schlecht recherchierte Beiträge durchziehen das... PROFIFOTO ohne PROFI

PROFIFOTO ist ein Hochglanzmagazin für Fotografen vom GFW-Verlag und kostet im Laden zur Zeit 7,80 Euro. Werbung, einseitigen Tests und schlecht recherchierte Beiträge durchziehen das Helft. Produktvorstellungen müssen ohne Trennung von Erfahrung, Meinung und Herstellerangaben auskommen.

Viele Fotografen wünschen sich ein Magazin, dass sie inspiriert und weiterbildet. Außerdem benötigen sie Produktinformationen, die ihnen dabei helfen möglichst kluge Kaufentscheidungen zu treffen. Den Anspruch an das Magazin formuliert der GFW-Verlag auf seiner Webseite http://www.gfw.de/professional/profifoto/: „PROFIFOTO ist Deutschlands führendes Medium für professionelle Fotografen und alle, die es werden wollen. Monat für Monat bringt PROFIFOTO auf weit über 100 Seiten alles über aktuelle Fototechnik und professionelle Fotografie. Die Präsentation hochwertiger fotografischer Arbeiten in Form großzügiger Portfolios ist ebenso fester redaktioneller Bestandteil von PROFIFOTO wie die Auseinandersetzung mit kreativen, berufsständischen, kulturellen und technischen Aspekten des Mediums.“ Diesem Anspruch wird das Magazin nicht gerecht.

Die Unzulänglichkeiten habe ich hier Beispielhaft zusammengetragen. Die Kritik bezieht sich auf die PROFIFOTO Winter Doppel-Ausgabe Nr. 1-2/2015. Die wichtigsten Themen dieser Ausgabe sind eine Arbeit von J. Konrad Schmidt, GoSee Awards, die Kamera Sony Alpha 7 II, zwei Kameratests „Nikon D750 und Canon EOS7D Mk II“ und der Vergleich von Hensel Lichtformern. Weiterhin stellt das Magazin Bücher, Ausstellungen, Wettbewerbe, Fotografen, Agenturen und viele weitere Produkte vor. Auch ein Rechtsratgeber und eine Kolumne über Selbstmarketing sind enthalten.

Das Heft enthält insgesamt 126 gebundene Seiten, gezählt ohne fliegende Beilagen. Davon sind 38 Seiten mindestens zu einem Drittel mit Werbung bedruckt. Zählt man die Werbefläche zusammen, dann bleiben gut ein Viertel des Magazins (gebundene Seiten, ohne Beilagen) reine Werbung.

Drinks

Nach einigen Notizen über Auktionen, Apps und Veranstaltungen folgt eine ganzseitige Kolumne „Erfolg als Fotograf“ von Silke Güldner. Hier erfährt der Leser, dass eine Webpräsenz wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg eines Fotografen ist, das es klug sei keine Katzenvideos oder Feierabenddrinks zu veröffentlichen und das ein Fotograf sich von den Webseiten kleiner Agenturen und Unternehmen inspirieren lassen sollte. Wer mehr wissen möchte, kann sich von Silke Güldner beraten lassen.

Nur wenige Seiten Werbung trennen dann den Leser von den angekündigten GoSee Awards. Was die GoSee Awards sind und welche Relevanz die Auszeichnung hat wird nicht beschrieben. Statt dessen folgt Lobhudelei von Cyrus C. Halabian, CEO GoSee New Services. Auf den folgenden Seiten finden sich die Gewinnerbilder „Gold“ in guter Qualität, mal klein und mal großformatig. Zusätzliche Information zu den Bildern oder Interviews mit den Künstlern liefert der Artikel nicht. Das Gewinnerbild in der Kategorie Illustration fehlt. Ein Blick auf die „about“ Seite von GoSee.de enthüllt, dass es sich um B2B PR-Service handelt.

Nochtspeicher - Ein Ort für Musik, Literatur, Tanz und Kunst

Nochtspeicher – Ein Ort für Musik, Literatur, Tanz und Kunst

Der Beitrag zum CANNON PROFIFOTO FÖRDERPREIS trägt die Überschrift SINA NIEMEYER DER FALTENROCK. Die abgebildeten Fotos ecuadorianischer Kinder habe aber nichts mit Sina Niemeyers wunderbaren Fotografien zum „Faltenrock“ gemein. Denn der „Faltenrock“ ist eine Ü60-Tanzveranstaltung im Hamburger Gängeviertel und Nochtspeicher. Im Beitrag heißt es: „Sina Niemeyer, Fotojournalistin von der HS Hannover, reiste mit Unterstützung des >Canon Profifoto Förderpreises< nach Quito, Ecuador, um dort im Rahmen eines Projektes Straßenkinder zu fotografieren. Gezielt hat die Fotografin sich dabei einige Kinder herausgesucht und sie in ihrem Alltag begleitet. Sina Niemeyer: ‚Ich wollte aber auch herausfinden, ob und wie das Projekt eine Bereicherung für diese Kinder ist und vor allem, inwiefern ausländische Freiwillige ihnen wirklich eine Hilfe sind.’“ Der Leser erfährt nichts über Ziele, Bedingungen, Erlebnisse und Ergebnisse des Projektes, kann sich aber über Fotos von Kindern aus Ecuador freuen.

Mit dunklen, kontrastreichen Bildern einer jungen Frau beginnt die Bildserie „ALINA – VOM ENTDECKEN“ von J. Konrad Schmidt. Die Protagonistin ist meist kaum zu erkennen. Schmidt hat sie abgewandt, in Dunkelheit, schattenseitig und mit geschlossenen Augen fotografiert. Mal in Dessous, mal völlig unbekleidet und oft in einem Bett. Nur ein einzelnes Bild zeigt direkt das Gesicht der Frau, allerdings mit geschlossenen Augen. Der begleitende Text zitiert den Fotografen, der kurz erzählt wann er das Model traf, das sie Potential hat, aber das selbst nicht wusste und wo er sie auf der Welt fotografierte. „Über die Jahre wurden […] (die) Arbeiten zu Dokumenten zweier Entwicklungen – ihrer und meiner. Am Ende wurden es Bilder vom Ende der Fremde.“ Schön gesagt. Die gezeigten Bilder können das aber kaum transportieren. Sie zeigen weder eine Entwicklung, noch besondere Vertrautheit.

Bei PROFIFOTO muss eine Leseprobe zur Buchvorstellung reichen. Mia Royal (Sonja Dirscherl) beschreibt im Kapitel 7 ihres Buches „BEAUTY FOTOGRAFIE“ kurz Ideenfindung, wie einzelne „Looks“ entstanden sind und auch „Location und Hintergrundgestaltung“. Je nach Begabung und Vorkenntnissen könnte es schwierig sein, sich an ihren kurz gehaltenen Erklärungen zu orientieren. Jeder Look wird mit einem recht großen Bild vorgestellt, wobei leuchtende Ohren ins Auge stechen – die eher nicht zur „Beauty Fotografie“ passen. Warum das Buch lesenswert ist, wer die Autorin ist und was sie außerdem im Buch thematisiert hat erfährt der Leser nicht.

Die Produktvorstellung der Kamera Sony Alpha 7 II ist so detailliert, als ob die Kamera eigenhändig zerlegt wurde. Es bleibt im Text unklar, was Herstellerangabe, Erfahrung oder Meinung ist. So fließen nahtlos positive Wertung und Fakten ineinander. Negative Aspekte nennt der Autor nicht. Eine Einschätzung der Kamera durch Anwender und ein Vergleich mit Konkurrenzprodukten ist in dem Beitrag auch nicht enthalten. Dafür aber, dass es „praktisches Zubehör“ gibt und sich die Kamera „stilvoll“ mit einer Ledertasche XY transportieren lässt. Auch der Test der Kamera Nikon D750 weckt Misstrauen, da kaum nachteilige Aspekte genannt werden. Erst durch eine Recherche anderswo erfährt man beispielsweise, dass die Fokuspunkte recht zentral angeordnet sind, dass die WIFI Funktion nur rudimentär funktioniert und der Autofokus im Live-View nicht schnell ist.

Eine echte „Auseinandersetzung mit kreativen, berufsständischen, kulturellen und technischen Aspekten des Mediums“ findet bei PROFIFOTO nicht statt. Stattdessen durchziehen Werbung, Cliches und Fehler das Blatt. Damit kann PROFIFOTO weder als professioneller Ratgeber noch als hochwertige Inspirationsquelle überzeugen.

Mario Lüder

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