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Mario Lüder

Totes Gummihuhn auf Hafengelände Totes Gummihuhn auf Hafengelände
Traditionelle Schifffahrt bewahren und erleben, der Hamburger Museumshafen Oevelgönne e.V. Totes Gummihuhn auf Hafengelände

Traditionelle Schifffahrt bewahren und erleben, der Hamburger Museumshafen Oevelgönne e.V. 

Möwen kreischen, Wind bläst ins Gesicht und Regen durchdringt die Haut bis auf die Knochen. Leidvoll knarzt und quietscht ein Schiffsanleger. Schwarzer Rauch steigt aus dem Schornstein eines alten Schiffs und Wasser platscht beständig gegen den Anlegeplatz. Umgeben von riesigen Kränen des Containerhafens am gegenüberliegenden Ufer und alten, hübsch renovierten Fischerhäusern am Elbhang, liegt der Hamburger Museumshafen Oevelgönne.

Er ist seit 1976 ein gemeinnütziger Verein, der Segel und Dampfschifftradition, bewährte Technologien und handwerkliche Tradition erhalten möchte. Hier liegen Dampf und Segelschiffe, die zwischen 1880 und 1960 gebaut wurden. Sie dienten zum Fischfang, Frachttransport für Obst, Gemüse oder Sand, zum Schleppen und Eisbrechen, als Polizeiboot, Kran und Leuchtturm.

Viele Schiffe wurden als verrottete Wracks gefunden. Ehrenamtliche Vereinsmitglieder haben sie dann in mühevoller Arbeit originalgetreu restauriert. Spenden haben geholfen den Wiederaufbau zu finanzieren.

Wolfgang Albrecht ist seit sechs Jahren dabei. Er ist ein pensionierter Jurist und wie er gesteht, als ehemaliger Segler auf dem Plöner See, lediglich ein „Süsswassermatrose“. Er ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins und mahnt zunächst die Besucher zur Vorsicht: „Der Museumshafen ist ein echter Hafen, und das Wasser ist echtes Wasser.“ Jedes der insgesamt 25 historischen Schiffe des Vereins hat eine ehrenamtliche Besatzung. Sie kümmert sich um die Erhaltung der Schiffe und unternimmt mit zahlenden Gästen auch Fahrten auf der Elbe. „Jedes Schiff ist fahrbereit und in Originalzustand“ hebt Wolfgang Albrecht stolz hervor. Die Schiffsführer sind meistens pensionierte Kapitäne. „Die müssen wirklich ein richtiges Patent haben, um mit den Dinger fahren zu können.“

Feuerschiff ELBE 3

Feuerschiff ELBE 3

Das Feuerschiff „Elbe 3“ ist besonders schwierig zu manövrieren. Feuer heißt bei den Seefahrern Licht, erklärte Wolfgang Albrecht. Feuerschiffe löschen also keine Brände sondern sind Leuchttürme auf hoher See. Die „Elbe 3“ ist ein mittelgroßes Schiff aus Metall. Große Anker mit riesigen Ketten halten es auch bei stürmischer See am gleichen Ort. Für Technikfans und Ingenieure ist dieses Schiff ein Paradies. Wolfgang Albrecht erinnerte sich: „Wir hatten mal eine Gruppe Ingenieure von Siemens, die da runterkletterten. Die habe ich da nicht mehr raus gekriegt.“ Im Kommandoraum blitzen alte Steuergeräte aus Messing neben grauen Computern. Die Computer müssen sein, damit man heute noch mit den alten Schiffen fahren darf. Der Spagat zwischen Historie und heutiger Nutzung sei nicht einfach, führte er weiter aus. Und so findet sich auch bunte Partybeleuchtung auf dem Schiffsdeck. Denn die Schiffe kann man auch für Feierlichkeiten mieten.

Der selbst fahrende Schwimmkran „HHLA 1“, ist ein Wunderwerk der Technik der zwanziger Jahre. Ganz aus Stahl konnte er schwere Lasten (10 – 25 Tonnen), wie Maschinen und Kessel verladen. Zu seiner Einsatzzeit konnte nicht jedes Schiff am Hafen anlegen, weil nicht genug Platz war oder weil die Reeder die Anlegegebühren sparen wollten. Der Kran fuhr zu den Schiffen, löschte die Ladung und brachte sie an Land. Heute noch nutzt der Verein den Kran für Restaurationsarbeiten an den anderen Schiffen.

Die „WOLTMANN“ ist ein kleiner Schleppdampfer, der 1904 gebaut wurde. Fensterrahmen und Türen aus glänzend lackiertem Holz zieren das 111 Jahre alte Schiff. Bemerkenswert ist der vergleichsweise riesige Kessel. Den ursprünglichen Originalkessel des Schiffs hat der Verein zur Besichtigung oben am Ufer aufgestellt.

Beim genauen Hinsehen sind kleine „Dekorationen“ an Schiffen zu sehen. Ein totes Gummihuhn ziert die Reling des Schleppdampfers „Tiger“ und ein Stoffeisbär winkt aus dem Eisbrecher „Stettin“.

Wolfgang Albrecht guckt ein wenig sorgenvoll in die Zukunft, denn es werden dringend „Nachwuchsmatrosen und Matrosinnen“ gesucht. Die Arbeit an Board ist mit Drecksarbeit verbunden. „Da muss man eben die Maschinen putzen, Kohle schaufeln und was weiß ich. Andererseits ist es sehr schön, wenn man mit segeln darf, an einem schönen Sommernachmittag auf der Elbe, das hat was.“

Mario Lüder

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